[Kurzgeschichte] Wintermädchen

Freitag, 18. Dezember 2015

Ebenfalls wieder eine uralte Kurzgeschichte, die mindestens schon fünf Jahre alt sein dürfte ^^

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Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sanft wehte ihr der Wind eine lange Strähne ihrer braunen Haare ins Gesicht. Die Tränen auf ihrer Haut vermischten sich mit den Regentropfen, die wie Trümmerstücke eines Traumes aus dem Himmel fielen. Es war ihr egal, es war ihr alles egal. Kein Schrei entwich mehr ihrer Kehle. Sie fühlte sich zerrissen, zerstückelt, getreten und am Boden. Sie war gefallen und nicht wieder aufgestanden. Sie fiel noch immer, immer tiefer in den schwarzen, schmerzerfüllten Abgrund ihrer Seele. Es gab kein Entkommen, kein Entkommen vor dem Schmerz. Immer tiefer ging der Schmerz. Zerfetzte ihre Seele. Zerriss ihren Verstand. Nie hatte sie solche Pein verspürt. Hatte sich noch nie so zerrissen, so unvollständig gefühlt wie jetzt. Sie fühlte sich bei lebendigen Haut gehäutet und ihr Innerstes nach außen gekehrt. All der Schmerz in ihrem Inneren wurde nach außen gezerrt und fraß sich durch sie hindurch. Doch noch schlimmer als der Schmerz war die Leere in ihr. Die Leere, die ihr Leben zerstörte. Die Wärme, die plötzlich fehlte und ihr Herz und ihre Seele erfrieren ließ. Ihr das Leben nahm und sie als leere Hülle zurückließ. Was war das Leben denn schon ohne diese Liebe wert? Liebe, die die Flamme ihres Lebens war und nun erloschen ist. In einem Atemzug war ihr Leben in sich zusammengebrochen. Hatte sie unter Trümmer vergraben. Sie erstickt, zerrissen, zerfetzt, aber nicht getötet. Ihr aber Schlimmeres angetan hatte. Es ließ sie zurück mit der Leere und dem Schmerz. In einem Leben, welches keines mehr war. Alles war so unwichtig geworden. Alleine war dieses Leben nichts mehr wert. Ohne ihn war alles sinnlos geworden. Wo war die Wärme, die ihr Leben ausmachte? Wo war die glühende Flamme, die ihr Leben war? Wo war sein Lachen, das ihr Leben bedeutete? Wo waren seine Augen, die ihre Welt gewesen war? Wo war er? Er und all seine Liebe und Wärme für sie? Weg! Nie war ein Gedanke so stark und klar in ihrem Kopf aufgetaucht, wie dieses eine Wort. Weg! Weg für immer und hatte ihr Leben mit sich genommen, als er gegangen war. Vielleicht, hätte sie von diesem Schmerz gewusst, hätte sie seine Hand nie genommen. Hätte sich nie in seinen Armen so geborgen gefühlt. Hätte sie sich nie so in seinen Geruch vergraben. Hätte sich nie so sehr fallen lassen, wenn er da war. Und vor allem wäre sie nie so tief in seinen Augen versunken und mal für mal in ihnen ertrunken. Sie hatte ihm alles gegeben. Alles, was sie hatte. Ihre Wärme, ihre Sehnsüchte, ihre Träume, ihre Liebe und ihr Leben. Und wofür? Um sich jetzt so zerfetzt zu fühlen? Ihr Herz war zerrissen, mit nur einem Wort. Gedanken, endlos und ohne Sinn. Schmerz in ihrem Herzen. Schmerz und Leere überall in ihr. Er hatte ihren Körper und ihre Seele zerstümmelt mit den wenigen Worten, die er dazu brauchte. Das Leben sinnlos gemacht für sie. Sie sterben lassen, obwohl sie noch atmete. Er hatte ihre Welt zum Einsturz gebracht und jetzt gab es keine Hoffnung mehr für sie. Das Paradies ist verbrannt und nun wartet nur noch eine Hölle aus Schmerz und Leere auf sie.
Tief grub sie die Fingernägel in ihre weiche Hautfläche. Schmerz, physischer Schmerz, war das einzige, das ihr noch zeigte, dass sie am Leben war. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Die zerzausten Haaren wirbelten ihr um das Gesicht.  Entschlossen hob sie den Blick nach oben. Ja, sie hatte wirklich alles verloren. Aber war es wirklich das Ende? Ihre Seele war zerrissen, ihr Herz zerfetzt. Aber doch atmete sie noch. War noch in der Lage Schmerz zu empfinden. Vielleicht war alles verloren, vielleicht...

Sie, dieses Mädchen, war ich, als du mich verlassen hast....

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