Achtsamkeit - Mit offenen Augen durchs Leben gehen

Dienstag, 14. März 2017

Blind. Die Menschheit ist blind. Jedenfalls denke ich das oft. Blind und egoistisch. Hauptsache der eigene Vorteil ist gesichert. Was mit anderen ist, ist egal! So findet sich die Gesellschaft heute oft wieder. Nicht immer! Aber leider viel zu oft!

Warum jemanden fragen wie es ihm geht, wenn es einen nicht interessiert? Sind wir nicht alle dazu übergegangen, eh nur mit gut zu antworten? Denn wir wollen jemand anderen nicht belasten und sind uns sicher, dass derjenige es sowieso nicht hören möchte. Und sind wir mal ehrlich! Wie oft fragen wie jemanden nach seinem Befinden und sich froh, wenn er kurz und gut antwortet und wir uns nicht damit auch noch auseinandersetzen müssen. Ist das nicht traurig? Sollte es uns nicht interessieren wie es unserem unmittelbaren Umfeld geht? Ein wenig Emphatie hat noch niemanden geschadet. In der heutigen kalten und schnellen Zeit am allerwenigsten.

Oder diese Sache mit dem Vorurteilen. Ach, der ist so und so, also muss der das und das. Was für ein Schwachsinn. Nicht alle Deutschen sind ordentlich und pünktlich! Nicht alle Polen klauen. Nicht alle Chinesen haben einen Faible für Spiegelreflexfotografie. Und diese Liste kann man unendlich ausführen. Zur Zeit haben wir ja eine Bewegung unter #wirgegenhomophobie. Was haben wir denn bitte gegen Schwule und Lesben? Was tun sie uns denn? Nur weil ein Mädchen lesbisch ist, will die mir doch nicht gleich an die Wäsche! Mir springt schließlich auch nicht jeder heterosexuelle Junge an den Hals, warum behaupten wir es denn von homosexuellen Menschen? Jeder Mensch ist wie er ist und nicht wie ihn eine Herkunft, eine sexuelle Orientierung oder sonst was macht. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst wie er ist.

Und warum helfen wir nicht mehr? Wenn ein alter Opa orientierungslos an einem großen Bahnhof steht, warum fragt ihn niemand, ob man ihm helfen kann? Oder wenn jemand in einer Ecke sitzt und grün im Gesicht aussieht? Was verleitet uns sofort dazu zu denken, ach der ist eh nur besoffen, selbst schuld. Ach ja, diese Vorurteile wieder. Aber es muss doch nicht so sein. Ich war mal in der Situation, mein Blutzucker war viel zu hoch, ich bin halt ohnmächtig geworden und musste andauernd brechen. Aber hat es jemanden gekümmert? Morgens um kurz nach 7? Nein, ich wäre ja doch nur besoffen.
Eine Frage kostet uns doch nichts, wenn derjenige keine Hilfe möchte, ist das in Ordnung, aber wenn doch, was kostet es uns dann? Richtig, nur ein wenig Zeit und Emphatie. Und in 90 Prozent der Zeit haben wir dies übrig. Manchmal nicht, dann ist es so, aber meistens eben doch!

Es gibt so viele Dinge auf der Welt, die nur geschehen, weil wir es zu lassen. Weil wir uns verschließen. Nur noch auf uns selbst konzentriert sind. Weil wir die Augen verschließen. Weil wir denken, es macht nichts aus. Und doch! Jeder minikleine Ansatz macht eben doch was aus! Vielleicht nicht für die ganze Welt, aber doch für Einzelne. Und wenn jeder ein klein wenig offener durch die Welt geht. Ein wenig mehr Aufmerksamkeit für seine Umwelt hat. Dann können wir etwas bewegen. Erst nur für uns selbst. Dann für andere. Dann für die ganze Welt!

Seid achtsam und haltet die Augen offen. Scheut euch nicht zu helfen und aufmerksam zu sein. Niemand ist perfekt! Und manchmal ändert eine hilfeanbietende Hand alles!

Kommentare:

  1. Ganz toller Post! Du hast absolut Recht! Ich werde auch mehr darauf achten, denn ich vernachlässige meine Aufmerksamkeit momentan sehr.
    Fühl dich gedrückt!
    Liebe Grüße,
    Denise. :)

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    1. Awww vielen lieben Dank =)

      Ich vergesse es auch oft, umso schöner, wenn man dann wirklich mal einen Tag bewusst und offen durchs Leben geht, es wird einem so sehr bewusst wie schön es ist und macht es automatisch auch viel öfter ;)

      Liebste Grüße,
      Vivka

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  2. Hallo Vivka,
    ich finde deinen Artikel wirklich richtig gut. Es ist schön, dass du mit deinen Worten einmal "wachrüttelst" und auch jeden einzelnen hinterfragst. Ich denke oft steckt hinter diesem "Verschlossensein" Angst.
    Viele sind in ihrem Verhalten und somit auch in ihrem Denken festgefahren. Wir haben ein bestimmtes Schema seit Jahren verfolgt, wurden von Eltern und unserem Umfeld geprägt.
    Selbst bei deinem Beispiel mit dem Opa kann ich mir vorstellen, dass ein Großteil ihm nicht über die Straße hilft, weil sie Angst davor hat, wie er oder andere darauf reagieren könnten.

    Ich denke, wenn man in dieser Hinsicht etwas ändern möchte, dann geht es nur so, dass man diese Veränderung vorlebt. Beispiel: Wenn du dem Opa über die Straße hilfst, während eine distanzierte Person (Freundin) daneben steht und du danach vielleicht sogar ein Lächeln oder ein paar nette Worte erntest, dann zeigst du, dass es gar nicht so schlimm ist und vielleicht erntest du sogar "Bewunderung oder aber auch Neid" für deinen Mut. Wie denkst du darüber?

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Danke dir! Ich glaube uns allen ist das durchaus bewusst, wir vergessen es nur oft, oder trauen uns nicht! Damit gebe ich dir nämlich sehr recht, meistens ist es kein Nicht-helfen-wollen sondern Angst. Und manchmal gibt es wirklich nur ruppige Antworten, weil sich jemand verletzt fühlt (was nicht immer zutrifft, viele sind verunsichert, wenn man ihnen Hilfe anbietet und wissen nicht wie sie anders reagieren sollen), aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen, die meisten senden durchaus eindeutige Signale.

      Ja ich mache das gerne und oft kommen dann auch Reaktionen von anderen und viele fühlen sich dadurch ermutigt und helfen auch mal, wo sie früher nicht geholfen hätte. Deswegen kann es nicht nur einem selbst und der betroffenen Person helfen, sondern vlt auch andere dafür empfänglich machen auch einmal offener auf andere Personen zuzugehen und einfach mal zu fragen, ob man helfen kann.
      Neid weiß ich nicht, wenn dann wäre es schon traurig, statt sich zu freuen, dass einem anderen geholfen werden konnte, aber solche Menschen gibt es mit Sicherheit auch.

      Wo ich aber lieber hingehen würde, ist, dass sich jeder bewusst ist, dass manchmal nur ein winzig kleine Sachen hilft jemand anderen zu helfen und vlt einen Tag für jemanden etwas besser gemacht zu haben und sich einfach zu trauen und sich nicht unterkriegen zu lassen =)

      Liebste Grüße,
      Vivka

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  3. Huhu!

    Ein sehr wichtiger Artikel, mit viele sprichst du mir wirklich aus der Seele.

    Diese Angst vor Schwulen und Lesben habe ich auch nie verstanden - wie du schon sagst, warum sollte ein homosexueller Mann jedem Kerl direkt an die Wäsche gehe, wenn ein heterosexueller Mann auch nicht direkt jedes Mädchen anbaggert? (Klar gibt es da Ausnahmen, aber das hat dann nichts mit der Sexualität zu tun, sondern mit einem fragwürdigen Charakter.)

    Das mit der fehlenden Hilfsbereitschaft und den damit verbundenen Vorurteilen kann ich aus eigener leidiger Erfahrung auch unterschreiben. Ich habe MS und gehe daher manchmal stolpernd und schwankend, und da habe ich auch schon zu hören bekommen: "Schämen Sie sich nicht, so früh am Tag schon besoffen zu sein?" Manchmal bin ich auch sehr schwach und kann mich dann Steigungen nur sehr langsam und schleppend hochquälen, dann bin ich halt die fette Tussi, die mal Sport machen sollte. (Dass mein Übergewicht auch medizinische Ursachen hat, interessiert ja keinen.)

    Aber mir sind auch immer wieder hilfsbereite Menschen begegnet, da hatte ich oft Glück. Hätte der Schlagzeuger meiner Lieblingsband nicht vor 12 Jahren bei einem Konzert gesagt: "Du da mit dem Gehstock, wart mal, ich besorg dir jetzt erstmal einen Stuhl!", dann wäre ich heute nicht glücklich verheiratet. (Nein, nicht mit dem Schlagzeuger, aber ich habe meinen Mann nur durch die entstandene Freundschaft mit der Band kennengelernt.)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka
    mikka@keladry.com

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    1. Vielen Dank! Mir lag der Post sehr am Herzen, das freut mich, dass er anderen gefällt =)

      Ich kenne so viele Schwule und Lesben mittlerweile und mir ist nie was passiert, da wurde ich eher mal von heterosexuellen Männern belästigt, aber das waren dann eben solche Ausnahmemenschen, die man überall hat!

      Ernsthaft? So etwas finde ich ganz grässlich! Niemand kann etwas für seine Krankheiten und manche sind mehr sichtbar, andere weniger. Aber immer gleich von dem negativsten auszugehen, finde ich einfach schlimm und traurig! Wie gesagt, ich habe damit ja auch meine Erfahrungen und ich kann doch im Zweifel einfach fragen, ob jemand evtl Hilfe braucht!

      Awwww wie schön! Darf ich fragen, welche Band das ist? =)
      So etwas ist genau das, was wir auch im Leben brauchen! Hilfsbereite Menschen, die ein Gefühl von Glück auslösen und wenn es nur eine winzige Kleinigkeit ist! Das reicht meistens vollkommen aus!
      Mit dem Schlagzeuger wäre aber auch lustig gewesen ;)

      Oh vielen Dank fürs Verlinken! Ich schau gleich mal vorbei!

      Liebste Grüße,
      Vivka

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    2. Huhu Vivka,

      die Band heißt "Schandmaul", ich weiß nicht, ob du die kennst? Ganz liebe Leute, denen es auch wichtig ist, dass Fans mit Behinderungen die Konzerte besuchen können.

      Wenn du sie noch nicht kennst:
      https://www.youtube.com/watch?v=hEJZwe8pLlc

      LG,
      Mikka

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    3. Natürlich kenne ich Schandmaul, sehr sehr geil =D <3

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