Ist Kreativität bei uns zu günstig?

Dienstag, 18. August 2020

Diese Frage stelle ich mir immer wieder, wenn ich SteamSales oder andere Rausschmeiß-Verkäufe sehe, aber auch bei der kürzlich wieder aufgepoppten Dikussion über Buchpreisbindung. Ich meine ... was denken die meisten, wie Spiele, Bücher, aber auch Filme und Serien entstehen? Aus Langeweile, Luft und Liebe?

Seit Jahren stelle ich mir diese Frage vor allem bei Spielen, aber sie lässt sich natürlich auch auf alle anderen kreativen Medien und Künsten übertragen.

Hört ihr sie auch? Diese Menschen, die nach neuen Spielen schreiben. So schnell wie möglich, so groß wie möglich, ohne Fehler, geile Handlung, tolle Figuren, noch bessere Grafik. Aber Zeit zur Entwicklung? Wofür? Ach mehr als zehn Euro zahlen sollen sie auch noch? Was denken sich denn diese Entwickler? Wofür?

Ich meine, ja, ich schlucke auch, wenn zum Beispiel ein Playstation-Spiel bei Release 80 Euro kostet, aber sind wir mal ehrlich, was ist denn allein von diesem Betrag gedeckt? Überlegt euch doch mal, wie viele Menschen meistens an so einem Spiel sitzen und was gleichzeitig dafür verlangt wird. Beim Buch ist es genauso. Es muss geschrieben, überarbeitet, korrigiert, lektoriert werden, jemand muss den Text setzen, ein Cover gestalten, Marketing - woher soll das Geld und die Zeit kommen?

Und natürlich soll alles sofort sein. Dreist, dass "Fans" ein zwei drei mehr Jahre auf eine Fortsetzungen warten müssen. Und wehe dem, es kommt auf dem Markt und ist nicht perfekt. Aber wenn es verschoben wird, ist es auch falsch. Kinderkrankheiten oder Fehler dürfen aber auch nicht vorhanden sein. Ach ja, diese perfekte Welt. Wir kennen sie doch alle.

Wisst ihr zum Beispiel, dass in Island Taschenbücher durchaus 30 Euro kosten? Dort wird ein ganz anderer Fokus auf Kreativschaffende gelegt und ja ich weiß, 30 Euro sind verdammt viel. Auch ich muss da schlucken. Aber sind wir ganz ehrlich - wir wollen doch auch für unseren Job vernüftig bezahlt werden. Warum also auch nicht Schreibende, Gamedesigner, Maler - what ever?

Ich habe den Faden verloren, worum sollte es nochmal gehen? Ach ja, Kreativität und den Hang dazu, alles sehr günstig zu verkaufen. eBook-Aktionen für 99 Cent, ständige Spielsales, und ja, auch ich warte immer wieder bei Steam auf die kommenden Sales, aber es scheint ein Volkssport gewesen zu sein, Spiele für den Sale rauszuhausen. Bei Steam gibt es jede Woche Sales, zusätzlich zu den großen Aktionen, bei Playstation ebenfalls, bei XBox kenne ich mich zu wenig aus, vermute aber mal, da auch, genauso wie bei der Switch. Wie können die Entwickler, Publisher, Designer, etc. davon leben?

Oft schlucke ich auch, wenn ich 70 Euro für ein Spiel zahlen muss und ich verstehe, dass viele das nicht können und es ist auch völlig legitim, auf ein Angebot zu warten, vor allem, wenn man das Geld eben nicht hat. Aber es scheint gerade zu eine Mentalität geworden zu sein, danach zu fordern. Immer günstiger und noch günstiger, am besten kostenlos, aber mit über 100 Stunden Spielzeit, fesselnde Story, atemberaubende Grafik und noch mehr Zusatzinhalte. Leute, das geht nicht!

Autoren müssen leben. Grafikdesigner müssen leben. Entwickler müssen leben. Lektoren müssen leben. Verlage müssen leben. Entwicklerstudios müssen leben. Diese Liste lässt sich unendlich weiterführen!

Auch ich kaufe Spiele, eBooks, etc im Sale. Ja, natürlich! Aber ich warte nicht explizit darauf und ich kaufe Spiele auch durchaus für den Vollpreis. Besonders, wenn ich wirklich ein Spiel haben will. Weil ich die Arbeit der Entwickler dahinter unterstützen möchte. Genauso bei Büchern. Natürlich kaufe ich nicht jedes Buch zum Vollpreis, wenn es gerade herauskommt. Das geht gar nicht. Aber wenn ich wirklich darauf warte, dann mache ich das. Hauptsächlich um die Leute dahinter auch zu unterstützen. Dennoch bin ich keine Heilige. Kaufe Bücher/Spiele gebraucht, oder im Sale. Natürlich. Aber für viele scheint es eine Forderungsmentalität zu sein, in der sie nicht bereit sind, auch etwas zu geben!

Und das Spiele und auch Bücher verschoben werde, ruft immer eine Welle von Hass hervor. Aber ganz ehrlich? Ich finde Verschiebungen gut! Wenn das Spiel/Buch noch nicht fertig ist, dann ist es nicht fertig! Hat man doch gut an No Man´s Sky gesehen. Alles, was den Spielern versprochen wurde, fehlte, weil man es unbedingt auf den Markt werfen musste, weil niemand mehr warten wollte. Und es wurde ein riesiger Flop, wovon sich das Game nie wieder erholte. Weil man nicht mehr warten wollte/konnte. Ich warte lieber, und habe ein fertiges Spiel, mit dem ich was anfangen kann, als ein unfertiges, was nicht wirklich spielbar ist oder einfach langweilig, weil eben einfach noch nichts fertig ist. Aber das scheint nicht mehr modern zu sein. Sofort, mit allem Extras, aber bitte zu keinen Kosten für den Verbrauchern. DAS FUNKTIONIERT NICHT!

Irgendwie bin ich jetzt etwas von Thema abgewichen, aber gut, was denk ihr, wird in Deutschland und auch anderswo, Kreativität für zu wenig Geld verschachert? Lebt ihr nur von Angeboten oder kauft ihr Bücher, Spiele, etc. auch "gerne" mal für den Vollpreis, wenn ihr wirklich darauf hinfiebert und die Menschen dahinter unterstützen wollt? Habt ihr euch überhaupt schonmal über so etwas Gedanken gemacht? Seht ihr Dinge ähnlich wie ich oder völlig anders? Lasst uns gerne in den Kommentaren darüber diskutieren, aber bitte sachlich und vernünftig, danke!

Kommentare:

  1. Hallo Vivka,

    ich gebe dir absolut recht: Produkte von Kreativen sind oftmals zu billig. Laura Newman (du kennst sie sicher?) hat einmal in einem ihrer Vlogs gesagt, dass sich ein E-Book, das mehr als 99 Cent kostet, heutzutage fast nicht mehr verkaufen lässt. Das hat mich ziemlich schockiert.

    Ich kenne mich zwar mit Videospielen nicht aus, aber auch da ist es wohl dasselbe Problem wie mit Büchern (vor allem E-Books). Und mit Piraterie von Musik, Filmen, Büchern oder Spielen muss ich ja wohl erst gar nicht anfangen.

    Ich will damit nicht sagen, dass ich nie bei 99-Cent-Büchern zugreife. Das tue auch ich gerne, vor allem, weil ich weniger Geld zur Verfügung habe als der Durchschnittsdeutsche. Aber ich gehe auch gerne mal in die Buchhandlung und kaufe mir ein Buch zum regulären Preis, wenn es mich wirklich interessiert.

    Was Musik betrifft, nutze ich hauptsächlich Spotify und ich muss ehrlich zugeben: Ich weiß nicht, wie gut oder schlecht ein Künstler damit verdient. Vermutlich auch nicht sooo viel. :(

    Toller Blogpost! Es freut mich, dass du das Thema ansprichst.

    Liebe Grüße
    Myna

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    1. Ja, ich kennne Laura und es ist so unfassbar schade. Die Menschen erwarten einfach, alles günstig nachgeschmissen zu bekommen und das ist ein Punkt, der mich wirklich ankotzt!

      Ja stimmt, Piraterie, daran habe ich bei diesem Post gar nicht dran gedacht, aber natürlich ist auch das ein sehr großes Problem, genauso wie ich nicht auf die Problematik Musik eingangen bin. Aber da ich kaum Musik höre, und die Alben meiner Lieblingsband immer kaufe, bin ich da auch etwas abseits der Realität.

      Trotzdem, wenn jeder sein Möglichstes gibt und versucht, Künstler angemessen zu unterstützen, ist es vollkommen in Ordnung. Wir alle kaufen auch Bücher, Spiele, Musik, what ever im Sale und das ist völlig ok so, aber es darf eben nicht nur so sein!

      Vielen Dank <3

      Sommerliche Grüße,
      Vivka

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  2. Hallo liebe Vivka,
    also ersteinmal: Ich kann deinen Kommentar so unterschreiben und bin ganz bei dir, was das Thema Lebenserhaltungskosten und Deckung von Ausgaben angeht. Auch sollte für die entsprechenden Beteiligten noch ein Gewinn herausspringen.

    Auch ich wäre dazu bereit auf ein Spiel/Buch oder was auch immer zu warten, wenn es dazu beiträgt, dass es mir dann letztlich noch mehr Lese-/Spielspaß bereitet. Genauso verhält es sich mit der Bezahlung des Produktes. Qualität kostet verständlicherweise mehr.

    Leider ist es aber auch so, dass einigen Menschen die Mittel fehlen, um sich diese Produkte dann letztlich leisten zu können und da kommen wir dann zu dem Kern des Problems, warum sich vermutlich viele Menschen über hohe Preise aufregen. Sie möchten es haben, können es sich aber nicht leisten.

    Der Verkauf unter Wert ist ein sehr interessantes Thema, das du hier zur Diskussion stellst. Natürlich sollen solche Angebote Kunden auch locken. Das kann u.a. in folgende Richtung ausarten: Der Kunde, der sich das Angebot zum geringen Preis zulegt, kann sich im Zweifelsfall das teure Produkt nicht mehr leisten. Der Verkäufer hingegen hat erstes Interesse erlangt, auf dem er letztlich aufbauen kann. Das Szenario kann man weiterspinnen. Und ich finde es ist nicht gerade schön ;o)

    Liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Mir geht es an sich auch gar nicht um die Menschen, denen die Mittel fehlen, sondern um diejenigen, die darauf bestehen, dass ein Produkt günstig zu sein hat. Das stört mich und das finde ich ein Treten mit Füßen der Kreativität gegenüber. Wenn ich höre, dass Selfpublisher eBooks über 99 Cent nicht oder kaum verkaufen können, dann finde ich das schlimm!

      Und mit Angeboten Kunden locken, kein Thema, aber die ganzen StreamingDienste und auch die ständigen (und bei den Spieleplattformen sind immer irgendwelche "besonderen" Sales) ist das alles nur noch Überflutung und suggeriert dem Konsument ja gerade zu, hey, kauf das Produkt doch nicht zum Vollpreis, kommt eh schnell genug als super duper Angebot. Das ist der Punkt, der mich daran so stört.

      Es ist einfach zu viel und zu normal geworden - das ist eher das Problem!

      Danke für deinen Kommentar <3

      Sommerliche Grüße
      Vivka

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  3. Schönen guten Morgen!

    Ein interessanter Beitrag, der immer wieder ein bisschen hochkocht in der Buchcommunity ... ich hab ihn heute gerne in meiner Stöberrunde verlinkt :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  4. Hallo liebe Vivka,

    ein toller Beitrag! Ich muss zugeben, ich bin hin- und hergerissen. Als Leserin - und noch dazu als Studentin - muss ich zugeben, dass ich selten mehr als 20€ für ein Hardcover bezahlen würde, von Taschenbüchern ganz zu schweigen. Aus der Sicht einer angehenden Autorin weiß ich aber auch, wie schwer es ist, vom Schreiben leben zu können. Von daher bin ich froh, dass wir in Deutschland überhaupt eine Buchpreisbindung haben, tue mich aber schwer damit zu fordern, dass Bücher teurer sein dürfen. Was allerdings E-Book-Deals für 99 Cent angeht - ganz andere Liga.

    Liebe Grüße ♥

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    1. Vielen Dank und ich wie ich hoffentlich klar gestellt habe, mir geht es nicht darum, dass man nicht ein Schnäppchen machen sollte, gerade, wenn man eben nicht das Geld hat ständig teure neue Bücher, Spiele, etc zu kaufen. Mich stört eher die Erwartungshaltung, die viele zu haben scheinen, dass sie geradezu fordern, dass das Werk bereits Minuten nach Veröffentlichung in irgendeinem Sale ist.

      Auch ich kaufe Spiele oft im Angebot oder Bücher gebraucht, aber ich erwarte es nicht. Ich kaufe da eher Sachen, die ich sonst nicht gekauft hätte, weil ich sie nicht zwingend haben muss, aber manche ... na ja ...

      Herbstliche Grüße
      Vivka

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